Team Wallraff – Reporter undercover auf RTL: Billiglohn-Sektor

17. Juni 2013 - 19:59 - 10 Kommentare

In „Team Wallraff – Reporter undercover“ will RTL gemeinsam mit Investigativ-Journalist Günter Wallraff katastrophale Situationen im Arbeitsbereich aufdecken: Unter der Anleitung und Unterstützung des Enthüllungsjournalisten begibt sich eine „Extra“-Reporterin acht Monate lang versteckt in den Billiglohn-Sektor und macht erschreckende Entdeckungen.

Günter Wallraff machte als „Der Mann, der bei ‘Bild’ Hans Esser war“ Furore und war als Ali Levent Sinirlioğlu „Ganz unten“: Der deutsche Investigativ-Reporter will seit den 1970er Jahren über gesellschaftliche und berufliche Missstände aufklären und erlebt sie am eigenen Leib. Dieser Arbeitsweise folgend hat RTL bereits im letzten Jahr mit ihm für „Günter Wallraff deckt auf! Der neueste Fall des Undercover-Spezialisten“ zusammengearbeitet, nun soll eine Pilotfolge ein ähnliches Konzept vorstellen: In „Team Wallraff – Reporter undercover“ gehen JournalistInnen unter falscher Identität den Ungerechtigkeiten auf dem Arbeitsmarkt nach.

Team Wallraff: Enthüllungs-Doku auf RTL

Für die erste Episode von „Team Wallraff – Reporter undercover“ verwandelt sich eine 31-jährige Journalistin in eine unterbezahlte Aushilfskraft in mehreren Branchen: Als Zimmermädchen und als Reinigungskraft etwa, begibt sie sich dorthin, wo ein Stundenlohn von drei Euro schon als viel gilt, und erlebt mit, wie Vorgesetzte und Firmenchefs, aber auch Kunden und wohlhabende Klienten ihre Machtposition ausnutzen und mit Freude schikanieren.

Günter Wallraff wird die junge Reporterin bei ihrem acht Monate andauernden Projekt unterstützen und sich zum Schluss selbst noch einmal in eine Verkleidung werfen: Er gibt sich als Unternehmer aus, der als Großkunde für die undercover besuchten Firmen in Frage käme. Dabei erfährt er, wie diese sogar mit ihrem zweifelhaften Umgang mit ihren Angestellten prahlen, den Billiglohn-Sektor loben und verraten, wie sie unliebsame – weil selbstbewusste – Mitarbeiter schnellstmöglich loswerden können.

Reporter undercover: Versteckte Investigationen im Billiglohn-Sektor

Wallraffs Recherchemethoden sind bei alldem nicht unumstritten: Auch aus journalistischen Kreisen wird die Aussagefähigkeit der direkten Erfahrung eher in literarischen Regionen vermutet, die Einmischung ins Experiment als durchaus auch hinderlich für eine objektive Berichterstattung gesehen. Diese Fragen der Ambivalenz werden auf dem Sender, bei dem vielfach mit versteckter Kamera in Sendungen wie „Extra“ gearbeitet und der Selbstversuch wie beim „Jenke Experiment“ als investigativer Journalismus gewertet wird, nicht angesprochen, dafür wird ein erschreckender Einblick in den Alltag in Billiglohn-Arbeiten gewährt, wenn „Team Wallraff – Reporter undercover“ auf RTL am 17. Juni 2013 um 21.15 Uhr anläuft.

Bild: Gregorowius/Altmann/pixelio.de

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Kommentare zu Team Wallraff – Reporter undercover auf RTL: Billiglohn-Sektor

Zu diesem Beitrag gibt es 10 Kommentare.

von Ackermann am 17. Juni 2013 - 22:10 Uhr

Hallo,
ich verfolge gerade aufmerksam Ihre Sendung über die Ausvbeutung der Zimmermädchen.
Ich habe bei der Firma Alfa 24 gearbeitet und war für die Abrechnung zuständig.
Auf Grund dessen, weiß ich, dass die Zimmermädchen ebenfalls keinen Mindestlohn bekommen habe. Es wird dr Arbeitsvertrag geschrieben, für das jeweilige Hotel in dem sie eingesetzt wurden. Um die Abrechnung zu realisieren gab es eine Liste in der die gereinigten Zimmer vermerkt waren und dies Zimmer wurden dann mit der Vorgabe umgerechnet.
Zum Teil habe ich auch mitbekommen, dass ein Mitarbeiter im Monat 300 Stunden gearbeitet hat, damit er über die Runden kam.
Im Büro ist es mir allerdings auch nicht besser ergangen, ich hatte einen 30 stunden vertrag und habe meist 50 Stunden die Woche gearbeitet. Man konnte sich auch nicht darauf verlassen, dass man pünktlich den Lohn/Gehalt bekommt.
Meine Probezeit wurde kurz um verlängert und als ich dann zusammen gebrochen bin und zum Arzt musste, habe ich abends per Kurier meine Kündigung erhalten.
Ich fühle also absolut mit den Zimmermädchen mit.
Mit freundlichen Grüßen

Britta Ackermann

von gerhard am 17. Juni 2013 - 22:23 Uhr

Hallo – interessant wäre auch eine Recherche zu den Pflichtbestellungen der Fachkräfte für Arbeitssicherheit nach dem Arbeitssicherheitsgesetz.
Arbeits-, Brand- Gesundheitsschutzberatung in den Betrieben und Firmen als gesetzliche Auflage der DGUV (Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung).
Abgerechnet werden bei der Gesamtheit der Kunden die ein Sicherheitsingenieur betreut, so ungefähr eine Stundenanzahl – da wäre dieser Ingenieur 27 Stunden an 365 Tagen im Jahr beschäftigt.
Der Ingenieur bekommt einen Tariflohn – aber es ist Betrug an den Kunden, zumal die Einsatzstunden nach Anzahl der Beschäftigten entsprechend dem Regelwerk der DGVU vorgegeben sind.
Somit kann ein Ingenieur in den zu betreuenden Firmen eigentlich nur eine feste Stundenanzahl abarbeiten.
Die festangestellten Fachkräfte in den Firmen werden rausgekündigt, weil diese Dienstleister mit Stundenlöhnen von 12,-€ für die Ingenieurstunde die Arbeitgeber zu Lohnkosteneinsparungen herausfordern.
Mit freundlichen Grüßen

von melanie am 17. Juni 2013 - 22:48 Uhr

ich hab denn bericht grade in tv gesehen bin echt geschockt . besonderst weil ich auch in denn beruft arbeite . und ich werde nicht pro zimmer bezahlt sonder pro stunde und ich bekomm 9,20€pro stunde . wir hab auch zeit fohrgaben aber wir sollten es versuchen es zu schafen . aber kein druck . und bei uns ist es auch so das wir durch einen putz firma angestelt . aber sind fähr bekommen urlaubs geld und feihertags geld . die ander darmen tuen mir sehr leid und hoffe das für die darmen es jetz besser wir .

von Frank am 17. Juni 2013 - 23:01 Uhr

Was bringen die ganzen Recherchen, die Firmen verstoßen nach geltenden Recht und es wird nichts dagegen unternommen. Was bringen Strafgelder von bis zu 500.000 € wenn sie nicht verhängt werden und durchgegriffen wird.
So lange der Fluss von Billigarbeitern und Scheinselbstständigen aus Rumänien & Co nicht gestoppt wird, wird es weiter so bleiben und die Unternehmer sich die Taschen voll stecken, weil wir alle schnell ersetzbar sind.

von herbert kuhn am 17. Juni 2013 - 23:23 Uhr

Meines Erachtens sind die Konzerne selbst die Schuldigen.
Wo wird denn am meisten gespart? Genau, am Dienstleister.
Da werden von vorneherein Verträge abgeschlossen die Dumpingpreise beinhalten.
Der Dienstleistermarkt im Gebäudereinigerhandwerk ist mittlerweile übersät von Billiglöhner die auf dem Rücken der Mitarbeiter reich werden.

Wenn ich eine solche Hausdame wie in der Sendung vor mir hätte würde ich erstmal nach ihrer Quallifizierung fragen. Diese Dame hat bestimmt in ihrem, als Vorarbeiterin/Hausdame, nie eine Mitarbeiterin-Einweisung vorgenommen.
Reinigungsmittel aus der Flasche direkt auf die zureinigten Fläche geben und dann auf Knien vor einem Gast den Boden feudeln…mir dreht sich der Magen um.
Solch Firmen machen die Preise kaputt und machen sich auch noch strafbar…
Der Kunde hat dann den Schaden weil Mitarbeiter nicht eingewiesen werden, gesundheitliche Probleme haben,Oberflächen falsch gereinigt werden,und stetig eine hohe Fluktraktion besteht.
Hier ist niemals ein Qualitätsmanagment zugange sondern reine Abzocke

von Martin Klatzka am 18. Juni 2013 - 04:22 Uhr

Hallo.
Die Sendung fand ich sehr interessant. Leider bin ich etwas enttäuscht. Denn als ich 2004 die Arbeitsbedingungen meines damaligen Arbeitgebers, die den im Bericht gezeigten sehr ähnelten, schrieb, hat das den Sender überhaupt nicht interessiert. Wahrscheinlich war die Zeit noch nicht reif dafür. Gut wäre es wenn auch noch andere Branchen aufgedeckt würden, wie z. B. die Securitybranche in der auch ähnliche Bedingungen herrschen.
Mit freundlichen Grüßen

von Amidala99 am 18. Juni 2013 - 05:17 Uhr

Krass, stimmt schon aber ist das nicht bei dem überwiegenden Teil aller Minijobber ( fast alles Frauen ) gängige Arbeitspraxis ? viele Frauen gehen putzen oder sind im Verkauf. 6 euro die Stunde kein Urlaub oder Krankenschein, nur geleistete Stunden werden gezahlt. Man kann zum Anwalt gehen aber seinen Job ist man los. Keine Behörde oder Stelle fühlt sich zuständig, in der Gewerkschaft ist nicht jeder Betrieb oder Mitarbeiter (Darf nicht) MFG ich gehe auch gleich wieder los, wir brauchen das Geld……

von Franz am 18. Juni 2013 - 08:58 Uhr

Habe mit meiner Ehefrau ein Jahr als Schulreiniger in Leipzig gearbeitet. Wir mussten über 600qm in der Stunde putzen, 200 bis 300qm sind nach DIN 77400 möglich. Täglich wurde unsere Leistung mit einer Note bewertet. Wurde mal eine Nudel im Speiseraum gefunden, so gab es die Note 5 und unser Subunternehmer erhielt von der Stadt kein Geld für diesen Tag, was er an uns weiterleitete. Die Benotung wurde heimlich gemacht. Andere Schulreiniger erhielten in Leipzig ein Objektlohn von 399 Euro für täglich 6 Stunden putzen. Die Stadt Leipzig ersparte sich so im Jahr über 200 000 EUR Lohnzahlungen. Wir haben selbst gekündigt, die Gewerkschaft konnte oder wollte uns nicht unterstützen, auch die Linke im Stadtrat von Leipzig (Opposition) interessierten diese Zustände nicht.

von michaela am 23. Juni 2013 - 17:53 Uhr

hallo, fand den beitrag sehr interessant. arbeite selbst seit 5 jahren als zimmermädchen auch immer über leihfirmen.
im moment für die fa. götz.
bekommen zwar einen std. lohn von 9 euro aber für 4 zimmer pro std. bzw. pro zimmer 16 min. bezahlt. wenn man länger braucht – pech gehabt.
aber was sollen wir dagegen machen? bin alleinerziehend, habe ein chron. krankes kind und habe nach 250 bewerbungen eben nur bei so einer leihfirma eine chance auf arbeit bekommen.

von Tanja am 29. April 2014 - 08:56 Uhr

Hallo, auch im Bereich der Eventfirma ist es nicht anders. Ich habe als Aushilfe der Fa. Eventis gearbeitet. Der Leitsatz der Fa. ist “Aus Kollegen können Freunde werden.!”. Ich wurde zu einem Event der Bildzeitung eingesetzt. Anders als vereinbart wurde ich nicht nur zum Bedienen eingesetzt, sondern nach der Veranstaltung mußten wir einen riesigen Raum wieder mit Möbeln bestücken. Ohne Hilfs- oder Tragemitteln, wie Möbelpacker. Richtig schwere Gastrotische. Dann wird man von den Gästen auch noch herablassend behandelt. Meine Arbeitskleidung mußte ich auch noch selbst bezahlen. Keine Zeiten wurden eingehalten. Das Ende war, die Fa. Eventis wollte noch Geld von mir!!! Erst als ich mit dem Rechtsanwalt gedroht habe, haben Sie abgelassen. Heute wird man nur noch ausgenutzt, weil diese Fa. wissen, dort wo einer geht, stehen zehn andere.

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