Demonstrationen in der Türkei: Erdogan lässt Taksim-Platz räumen

17. Juni 2013 - 10:00 - keine Kommentare

Die Proteste in der Türkei gegen die Regierung von Recep Tayyip Erdogan wurden am Sonntag durch die Polizei in Istanbul kurz vor einer Kundgebung von Erdogan-Anhängern zerschlagen. Dabei soll sie äußerst entschlossen vorgegangen sein, selbst Hotels und Krankenhäuser wurden gestürmt.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat den Taksim-Platz in Istanbul nach Augenzeugenaussagen mit äußerster Polizeigewalt räumen lassen. Mit Wasserwerfern und Tränengas wurden die Demonstranten auch aus dem Gezi-Park vertrieben, Augenzeugen berichteten von Verfolgungsjagden durch die angrenzenden Straßen. Hotels, die den Demonstranten Zuflucht gewährten, wurden gestürmt, auf ein Krankenhaus, das Verwundete behandelte, wurde ebenfalls mit Wasserwerfern geschossen. Der Räumung ging ein Ultimatum voraus, den Platz bis Sonntag freizugeben – um 18 Uhr war in einem anderen Stadtteil ein groß angelegte und durchorganisierte Kundgebung von Erdogan-Anhängern angekündigt.

Proteste gegen Erdogan: Polizei räumt mit Tränengas und Wasserwerfern den Taksim-Platz

Während Erdogans Partei, die AKP, für ihre Mitglieder Fahrten aus der ganzen Türkei organisierte und die Anhänger jegliche Vorzüge genossen, um die überragende Zustimmung für den Ministerpräsidenten zu demonstrieren, wurde in jenen Bezirken, in denen sich Proteste formierten, quasi eine Ausgangssperre ausgeprochen: Der Gouverneur Avni Mutlu empfahl Anwohnern nicht aus dem Haus zu gehen, sprach von „tödlichen Waffen“, die die Demonstranten eingesetzt hätten, obwohl es dafür keine Beweise gibt, und forderte Krankenhäuser und Mediziner auf, Verwundeten nicht zu helfen.

Die Vorsitzende der Grünen, Claudia Roth, befand sich bei der Räumung des Taksim-Platzes in Istanbul: Sie erlebte den Einsatz von Tränengaspatronen direkt und zeigte sich empört über die grenzüberschreitenden Maßnahmen gegen die Demonstranten, die sie mit Kriegszuständen verglich – besonders das Vorgehen gegen Ärzte und Krankenhäuser bezeichnete sie als „Kriegsverbrechen“, wie es in Medienberichten hieß.

Türkei-Demonstrationen: Polizei verfolgt Protestler in Krankenhäuser und Hotels

Auch den Angaben von ZDF-Reportern vor Ort nach, soll die Zerschlagung der Proteste am Taksim-Platz „detailliert geplant gewesen sein“, wie Uli Gack von „heute“ zitiert wird. Demnach seien sofort nach dem Polizeieinsatz die Barrikaden und Plakate der Demonstranten durch Bagger entsorgt worden sein, woraufhin die Stadtreinigung die restlichen Rückstände des Protest-Lagers entfernten.

Bild: Taksim-Platz von eser.karadag, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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