Proteste in der Türkei: 22-Jähriger stirbt durch Kopfschuss

4. Juni 2013 - 12:18 - keine Kommentare

Während Ministerpräsident Erdogan nach Nordafrika reist, halten die Demonstrationen gegen die türkische Regierung weiterhin an. In Antakya starb ein 22-jähriger Demonstrant infolge einer Schussverletzung am Kopf, bislang seien 2.300 Menschen bei den Protesten in der Türkei verletzt worden.

In Istanbul und Ankara gingen die Demonstrationen gegen Recep Tayyip Erdogan auch eine Woche nach ihrem Beginn weiter, die Polizei setzte erneut Tränengas und Wasserwerfer ein. Der Gouverneur der Provinz Hatay sagte gegenüber dem Nachrichtensender NTV, ein Mitglied der Jugendorganisation der oppositionellen Republikanischen Volkspartei (CHP) sei in Antakya im Süden der Türkei von einem Unbekannten in den Kopf geschossen worden und im Krankenhaus durch die schwere Verletzung verstorben. Unbestätigten Augenzeugen zufolge soll der 22-jährige Mann von einem Polizisten erschossen worden sein. Bereits am Sonntag wurde in Istanbul ein Demonstrant getötet, als ein Auto gezielt in eine Gruppe fuhr.

Demonstrationen gegen Erdogan in Istanbul und Ankara

Was als Protest gegen den Bau eines Einkaufszentrums im Gezi-Park begann, hat sich mittlerweile zu einer landesweisten Auflehnung gegen die als restriktiv und despotisch empfundenen Einschränkungen unter Erdogan ausgeweitet. Medien sprechen von 2.300 Verletzten bei den Demonstrationen, die seit Dienstag letzter Woche anhalten, Menschenrechts- und Hilfsorganisation haben 1.700 Verletzte gezählt. Die Regierung hingegen geht von lediglich 173 Verletzten aus.

In Istanbul wurden auf der europäischen Seite Barrikaden errichtet und Feuer entzündet, während die Polizei vom bislang hart umkämpften Taksim-Platz abgezogen ist. Regierungsgegner harren dort aus, wo die Proteste gegen das Brauprojekt aufgrund der Polizeigewalt am vergangenen Freitag eskalierten. Im Stadtteil Besiktas wurde wieder Tränengas eingesetzt, aus Ankara hieß es, es seien sogar Gummigeschosse eingesetzt worden.

Proteste in der Türkei dauern an, Erdogan reist nach Nordafrika

Staatspräsident Abdullah Gül rief die beiden Seiten zu gegenseitigem Respekt auf und betonte, die Türkei sei eine offene Gesellschaft, in der unterschiedliche Meinungen bestehen könnten. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan behauptete hingegen, die Demonstranten seien von Extremisten gegen ihn und seine Regierung aufgehetzt worden, das Volk stünde hinter ihm. Er brach zu einer Nordafrika-Reise auf und erklärte, das „die Probleme erledigt“ seien, wenn er wieder zurückkehre. Zugleich drohte er den Demonstranten, der Geheimdienst der Türkei würde mit in- und ausländischen Gruppen abrechnen, denen er auf der Spur sei, wie es in Medienberichten hieß.

Bild: Ministerpräsident der Türkei – Recep Tayyip Erdogan von Glyn Lowe Photoworks, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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