Die Königin von Versailles in der ARD

4. Juni 2013 - 21:15 - 1 Kommentar

Die ARD zeigt eine der bemerkenswertesten, witzigsten und gefeiertsten Dokumentationen der letzten Jahre: „Die Königin von Versailles“ von Lauren Greenfield verfolgt den Aufstieg und Fall von Time-Share-Königs David Siegel und seiner Frau Jackie, die das größte Einfamilienhaus Amerikas bauen wollten.

„Die Königin von Versailles“ herrscht über acht Kinder, unzählige kleine, weiße Hunde, die Shopping Malls von Florida – und die auf 8.000 Quadratmetern gebaute Villa „Versailles House“ in Orlando. 10 Küchen, eine Bowlingbahn, ein Baseball-Feld, eine Armada an Hauspersonal und Zimmer mit einer Grundfläche von 27.500 Quadratmetern zeugen zum einen von der wirtschaftlichen Kraft von David Siegel, der mit seinem Time-Sharing-Geschäft Milliarden verdiente und zum anderen von der realitätsfernen Leidenschaft zum Großmannstum seiner Frau Jackie, die mit freundlich-verdutzter Planlosigkeit den amerikanischen Traum lebt.

Die Königin von Versailles: Preisgekrönte Doku

Das „Versailles House“ ist eine Luxusvilla, die eindrucksvoll beweist, dass die Billionäre nicht wissen, wohin mit ihrem Geld. Vom königlichen Palast bei Paris inspiriert, soll es als größtes Einfamilienhaus in den USA entstehen – doch bleibt es letztlich eine Baustelle. Denn David Siegel, der mit den Westgate Resorts als Time-Share-Projekt zur Boom-Zeit des Geschäfts zum Milliardär aufstieg, ist auf einen Schlag pleite, als die Wirtschaft weltweit zusammenbricht. „Versailles“ soll für 100 Millionen US-Dollar verkauft werden, während er versucht, ein Geschäftsgebäude in Las Vegas zu retten.

Neben den megalomanischen Anflügen der Siegels, sorgt aber vor allem Jackie für die nötige Erdung: Mit einem Altersunterschied von 30 Jahren ist Jackie offenkundig als dritte Ehefrau von David so etwas wie eine Trophäe für David und doch kann die ehemalige Schönheitskönigin auch auf ein Ingenieursstudium verweisen, auf sieben Kinder und die Fähigkeit, ohne Bösartigkeit im Überfluss zu schwelgen.

Trotz der eigenartigen Anwandlungen und surreal anmutenden Momente – etwa wenn Jackie im Pelzmantel bemängelt, sich keine Uhr leisten zu können oder den fälschlicherweise als Schlafzimmer betitelten Raum als begehbaren Kleiderschrank entlarvt – kann man sich nicht helfen: Man muss die Siegels, vor allem die titelgebende „Königin von Versailles“ einfach mögen.

ARD-Dokumentarfilm über ein Milliardärspärchen

Die Siegels könnten die Vorlage für „Die Geissens“ geliefert haben: Einfache Menschen, die zu so viel Geld gekommen sind, dass sie nicht wissen, was sie damit anfangen sollen. Die Stimmung in Lauren Greenfields mehrfach preisgekröntem Dokumentarfilm wechselt daher ständig zwischen Erstaunen und Amüsement, Mitleid und Schadenfreude, Kopfschütteln und Schenkelklopfen.

„Die Königin von Versailles“ läuft am Dienstag, den 04. Juni 2013 um 22.45 Uhr in der ARD.

 
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Kommentare zu Die Königin von Versailles in der ARD

Zu diesem Beitrag gibt es 1 Kommentar.

von Koppelow am 14. Juni 2013 - 21:52 Uhr

Wann und wo kann man diesen Film noch sehen?

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