Alternative für Deutschland: Kooperation mit den Piraten?

26. April 2013 - 09:54 - 2 Kommentare

Vor der Gründung einer eigenen Partei hat AfD-Chef Bernd Lucke offenbar versucht, die Piraten-Partei für seine Anti-Euro-Politik zu gewinnen: Wie aus einem Bericht der „Welt“ hervorgeht, schrieb der Volkswirtschaftler an Bernd Schlömer um ein Gespräch über eine „außerparlamentarische Anfrage“ zu vereinbaren.

Im Frühjahr 2012 erhielt Bernd Schlömer, Vorsitzender der „Piraten“ eine E-Mail von Bernd Lucke, zu diesem Zeitpunkt noch nicht Chef der Alternative für Deutschland (AfD): Wie die „Welt“ schreibt, habe der Universitätsprofessor in Hamburg und damalige Sprecher des Bündnisses Bürgerwille bei der jungen Partei um ein Gespräch gebeten, in dem er eine gemeinsame Position gegen die Euro-Rettungspolitik der Regierung thematisieren wollte. Dem ESM-Rettungsschirm kritisch gegenüberstehende Parteien und Organisationen müssten sich koordinieren, eine „außerparlamentarische Anfrage“ solle als neues Instrument zur Bürgerinformation geschaffen werden.

Vor der Alternative für Deutschland: Bernd Lucke schrieb der Piraten-Partei

Bernd Schlömer reagierte nicht auf die E-Mail, wollte aber die weiteren Bestrebungen Luckes beobachten, wie es im „Welt“-Artikel heißt. Die Piraten verstünden sich als „proeuropäische Bürgerrechtsbewegung“, die AfD sieht er als „konservativ“ und „kleinkariert“ an. Bernd Lucke gab der Zeitung gegenüber an, politisch nichts mit der Piraten-Partei gemein zu haben, Anfragen dieser Art habe es auch bei anderen Organisationen gegeben.

Der Gründungsparteitag der Alternative für Deutschland liegt noch keine zwei Wochen zurück und die neue Partei wird nicht nur nach ihren Inhalten und ihren Forderungen diskutiert, auch ihre politische Einordnung ist aktuelles Dauerthema: Während bei Parteien und parteinahen Organisationen Dossiers angefertigt, Einschätzungen angestrebt und Aussagen getroffen werden, widmen sich auch die Medien vor allem der sichtbarsten Person im Parteivorstand, Bernd Lucke.

Außerparlamentarische Anfrage: Bernd Schlömer reagierte nicht auf E-Mail

So erfahren Leser der „Welt“ von dessen politischem Werdegang vom Universitätsprofessor über den Hamburger Appell zum Mehr Demokratie e.V. bis zur Gründung der AfD im Februar 2013 und dem Parteitag im April. Jakob Augstein beim „Spiegel“ stellt derweil die Frage nach der Richtung der derzeit als bürgerlich-konservativ wahrgenommenen Partei und auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat dieser Tage ein Porträt von Bernd Lucke, dem „Anti-Euro-Professor“, wie die Zeitung titelt, verfasst.

Der aktuelle ARD-Deutschlandtrend widerspricht dabei den bisherigen Angaben zum Wählerpotential der AfD: Wie die „Zeit“ berichtet, würde die neue Partei auf lediglich 3 Prozent kommen, wäre die Bundestagswahl am kommenden Sonntag – bislang bezogen sich Medien auf die von der „Welt“ ermittelten Umfragewerte, die bis zu 24 Prozent Zustimmung für die Alternative für Deutschland feststellte.

Bild:Euro von Lore & Guille, CC BY – bearbeitet von borlife

 
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Kommentare zu Alternative für Deutschland: Kooperation mit den Piraten?

Zu diesem Beitrag gibt es 2 Kommentare.

von Berny am 26. April 2013 - 11:07 Uhr

Aus einem kleinen Wind entwickelt sich nun ein Tzunami gegen die Blockparteien. Strategen wechseln von der Piratenpartei, der FDP und den Freien Wählern zur AFD. Auch ein beträchtlicher Anteil von Nichtwählern tritt der AFD bei. (wie man auf vielen YouTube-Videos ja sehen kann) Bürger, die bisher nie im Sinn hatten, einer Partei beizutreten. Das Unwort “Alternativlos” lässt nun viele “Normalbürger” aufbegehren.10.000 neue Mitglieder in so kurzer Zeit, das gabs ausser bei den Piraten noch nie. Die Piraten haben es leider nicht geschafft, sich vernünftig zu organisieren, und in “einer” Richtung zu marschieren. Siehe auch YouTube-Video zum”Piratenstammtisch München”

von Nanunana am 26. April 2013 - 14:54 Uhr

Na denn, ob die AfD in den Bundestag kommt oder nicht ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass das Thema parteipolitisch besetzt wird und auf fachkundige Art endlich ein mal auch Gegenpositionen diskutiert werden bzw. sich der Bürger über Gegenentwürfe informieren kann. Es kann doch nicht sein, dass wir einfach hinzunehmen haben, dass wir kaum noch Zinsen für unsere Guthaben bekommen, vielmehr nicht ausgeschlossen ist, dass unserer Sparguthaben konsfiziert werden, Steuererhöhungen nahezu beschlossen sind und trotz hervorragender Wirtschaftszahlen die deutschen Schulden ständig steigen und viel zu wenig in die Infrastruktur investiert wird. Und im Ausland stehen wir da als die bösen Nazis, wieder einmal. Wenn es in den Südländern richtig kracht und es zum Bürgerkrieg kommt, dann kann uns das nicht egal sein. Wir sind dann auch sehr schnell betroffen. Soll das die alternativlose Politik der bisherigen Parteien sein???? Wenn mir Professoren sagen, es geht auch anders und wir kommen da raus, dann will ich das hören.Die Vorschläge der AfD werden auch in anderen EU-Ländern diskutiert und nicht gleich verworfen, also muss doch etwas dran sein.So wie bisher laufen alle Staaten langsam aber sicher – auch wir – in die Insolvenz, das kann doch kein Naturgesetz sein! Die AfD ist eine grosse Bereicherung und es verdienstvoll, dass es fachkundige Experten gibt, die sich zum Ziel gesetzt haben, der Bevölkerung in Deutschland die Wahrheit zu sagen und Diskussionen anzuregen, wie wir und Europa aus dieser Misere wieder rauskommen.

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