Lena Meyer-Landrut: Deshalb ist sie nur Zehnte!

16. Mai 2011 - 22:08 - 7 Kommentare

Nur zwei Tage nach ihrem Auftritt beim Eurovision Song Contest 2011 muss sich Lena Meyer-Landrut (19) der öffentlichen Kritik stellen. Jeder versucht zu verstehen, warum sie es nur auf Platz 10 schaffte, nur die Wenigsten können es tatsächlich begründen.

War die Konkurrenz zu gut?

Sie leistete einen guten Auftritt, traf die Töne, tanzte synchron mit ihren Tänzern und bewegte sich zudem ihrem Outfit entsprechend heiß. Ihr Titel „Taken by a Stranger“, ein Elektropop-Song, wurde in Deutschland gemocht – aber was hatte das Ausland gegen diese Wahl? Nein, dieses Mal können wir nicht den Zeigefinger heben und uns auf politische Bewertungen berufen. Und nein, dieses Mal können wir auch nicht von Nervosität und ähnlichen Umständen reden, da der Auftritt perfekt war. Nein, dieses Mal könne wir einzig und allein nur sagen: der Titel war einfach im Vergleich zur Konkurrenz zu banal, zu mainstream, zu fade.

Die Gewinner des ESC 2011

Betrachtet man die vorderen Plätze,  auf dem ersten Platz geführt vom Duo Ell/Nikki aus Aserbaidschand, fällt auf, dass es sich dabei ausschließlich um tiefsinnige Popballaden handelt. Im Kontrast dazu auffallende Outfits, die den Fokus auf die Bühne lenken. Das Paradoxon aus Tiefsinnigkeit und optischem Glanz wurde vom Europäischen Publikum gemocht.

Die richtige Künstlerin, das falsche Lied

Ein Lied, das uns in der Ecke stehen und leicht mit dem Kopf nicken lässt, ist nicht genug um einen solchen Wettbewerb zu gewinnen. Wem man hierfür den Vorwurf machen sollte? Möglicherweise kann man in diesem Fall niemandem einen Vorwurf machen. Möglicherweise hätte man vorab in Betracht ziehen können, wohin die aktuellen europäischen Charts tendieren – aber ehrlich gesagt: Nach jahrelangen Ausführungen von Ralf Siegel und seinen zumeist herzzerreißenden, vom Schicksal gezeichneten Sängerinnen sind wir froh, dass wir uns mittlerweile wenigstens halbwegs auf dem europäischen Musikmarkt etablieren konnten.

Die Stimmung in Düsseldorf kochte am Samstag, Lena konnte mit ihrem Auftritt sehr zufrieden sein und wir, das Publikum, waren es auch. Aber die vorderen Plätze haben verdient gewonnen und entsprachen deutlich mehr den gegenwärtigen Musiktrends. Ob Lena’s Auftritt zu professionell war, fragen sich einige Kritiker.

Wir glauben nicht – ein Jahr Erfolg prägt auch eine solch junge, unerfahrene Künstlerin. Auch hier sollte man nicht zu viel erwarten und froh sein, dass sie es dennoch geschafft hat, mit ihrer leichten Art auf dem Boden zu bleiben.

Baku 2012 – der 57. Eurovision Song Contest

Aus dem diesjährigen Eurovision Song Contest können wir tatsächlich nicht so viel an Erfahrung mit nach Baku, dem Aufführungsort des ESC 2012, nehmen.

Was dennoch bleibt: Die Schuld „nur“ auf Platz 10 gelandet zu sein, liegt nicht an Lena, an ihrem Förderer Stefan Raab oder dem deutschlandfeindlichen, europäischen Ausland. Nein, einzig und allein unser inländisches, großflächiges Unverständnis von Musik ist Grund für die Misere des 10. Platzes – schließlich haben wir Lena und diesen Titel nach Düsseldorf geschickt.

 
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Kommentare zu Lena Meyer-Landrut: Deshalb ist sie nur Zehnte!

Zu diesem Beitrag gibt es 7 Kommentare.

von xavier am 16. Mai 2011 - 23:22 Uhr

“der Titel war einfach im Vergleich zur Konkurrenz zu banal, zu mainstream, zu fade.” Meinen Sie das ernst? Der Song war der einzige Hauch der Moderne in einem Meer des belanglosen Kitsches. Der ESC hatte seine Chance, an zeitgenössischen Pop anzuschließen, er hat seine Chance vertan und bewiesen, dass er lieber ein Fest des schlechten Geschmacks bleiben will. Das ist kein nationaler Chauvinismus – gleiches würde ich schreiben, wenn ein schönes, kühles, ambitioniertes Pop-Kunstwerk wie “Taken by a stranger” von einem anderen Land gekommen wäre. Für ESC-Verhältnisse war das Lied schon fast Avantgarde. Ein klassischer Fall von Perlen vor die Säue.

von Nox am 16. Mai 2011 - 23:46 Uhr

Was heißt eigentlich nur 10te? Nur 10ter bei einem Wettbewerb von 25 Teilnehmern zu sein ist doch gar nicht so schlecht. Es geht doch hier rein um Unterhaltung und die war doch gut. Welche Rolle spielt es denn welchen Platz der deutsche Beitrag belegt hat. Auch der letzte Platz wäre okay gewesen. Lena hat den Titel gut rüber gebracht und das ist okay so. Viel besser finde ich es das mal wieder ein Land gewonnen hat, dem diese Ehre bisher nicht zuteil geworden ist! :-)

von Laurenz am 17. Mai 2011 - 04:41 Uhr

Falsch. Der Titel war nicht “zu banal, zu mainstream”. Das glatte Gegenteil ist richtig. Er war zu außergewöhnlich, zu modern für solchen seichten Pop-Wettbewerb und passte in das fröhliche Tralala nicht recht hinein.
“Wir” haben kein “Unverständnis für Musik”, sondern im Gegenteil ein vielleicht zu hohes Verständnis für einen ungewöhnl. Song beim ESC-Publikum vorausgesetzt.
Der ESC ist nunmal kein Maßstab für musikal. Qualität.

von AlexisGism am 17. Mai 2011 - 08:14 Uhr

Zu fade? Zu mainstraimmäßig? Sorry, aber da schließe ich mich gerne Laurenz und Xavier an, denn m.E. waren die meisten anderen Titel banal und klangen ähnlich. Einige kannte man irgendwie schon. Einheitsbrei. Und “Taken by a stranger” ist nun genau das Gegenteil. Ein knisternder, Spannung erzeugender Song, wenn man wirklich mal zuhört. Neu, modern, anders als andere. Und genau DAS war der Knackpunkt. Aber genau DESHALB ist der 10. Platz auch einfach grandios, denn Punkte kamen aus vielen Ländern. Die Zahl der Menschen für Musik mit Niveau wird stetig wachsen. Danke Lena, dass Du uns einen neuen frischen Eurovision Song Contest beschert hast.

von Jonny am 17. Mai 2011 - 13:55 Uhr

Sag mal haben die euch allen ins Gehirn gesch…..?!
Der Song war und ist absolute schei..! Mich wundert nur dass Herr Raab diese art Auftritt unterstützt, der hat doch eigentlich eine Nase für gute Unterhaltung!
Ich wünsche mir nur dass wir jetzt endlich Ruhe vor dieser Göre haben!!!

von Patrick am 17. Mai 2011 - 15:46 Uhr

Zu Mainstream?

Hahahaha das ist wohl der größte Scheiß den ich bisher zu dem Lied gehört habe xD

Wenn das Mainstream ist was ist dann bitteschön der Siegertitel?

Sry aber wenn man keine Ahnung hat einfach mal Fr…. halten ;)

von Prashant am 17. Februar 2012 - 08:10 Uhr

Buchbeitrag zum Thema Evaluation; wie vor Kurzem auf dem Berliner Methodentreffen (ich hatte hier bietchert) oder als (Evaluations-) Beispiel sowie Informationsquelle im Seminar Evaluation

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