Homo-Ehe in Frankreich: Demonstrationen begleiten die Abstimmung

23. April 2013 - 11:33 - keine Kommentare

Mariage pour tous

Am Dienstag entscheidet die französische Nationalversammlung über ein Gesetz, dass Homosexuellen das Recht auf Heirat geben soll. Während mehr als die Hälfte der Franzosen der Homo-Ehe aufgeschlossen gegenüber stehen, machen konservative Kräfte auf teilweise gemäßigte und zeitweilig radikale Weise mobil.

Kurz vor der endgültigen Abstimmung in der Assemblée Nationale zu dem Gesetzesentwurf „Heirat für alle“ haben laut der Polizei mindestens 45.000 Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe in Frankreich am Sonntag vor dem Invalidendom in Paris demonstriert, die Veranstalter selbst gehen von einer Viertelmillion aus. Allein aus diesen massiv unterschiedlichen Zahlenangaben lässt sich die Verhärtung der Fronten zwischen den linken und den konservativ-rechten Lagern in Frankreich gut erkennen: Schon längst geht es nicht mehr nur um „traditionelle Werte“ in Bezug auf Ehe-Rechte, auf den Schutz der Familie und auf Sorgen um den Fortbestand der Grande Nation – vielmehr klafft der seit Jahrzehnten bestehende Spalt in der Gesellschaft nun mehr auf denn je.

Homo-Ehe in Frankreich: Demonstrationen gegen Heirat für alle

Bei den Demonstrationen und Kundgebungen fallen bisweilen auch harte Worte: Präsident Hollande wird als „Diktator“ bezeichnet, die Regierung beschuldigt „Kinder zu ermorden“, dies sei ein „Krieg“ bei dem „Blut“ fließe – absurd-brachiale Rhetorik, die auch homophobe Gegner aus einem anderen als dem bürgerlichen Lager auf den Plan ruft: Rechtsradikale haben schon einige Aufmärsche für ihre Zwecke missbraucht, zur sonntäglichen Demo in Paris wurden von den Initiatoren sogar drei private Sicherheitsfirmen beauftragt, um diese Klientel fernzuhalten.

Für Homosexuelle gibt es in Frankreich seit 1999 eine zivilrechtliche Gleichstellung und bereits 1982 fiel die Strafandrohung, doch nun, im Zuge der Diskussion um gleichgeschlechtliche Ehen, die manchen Medienbeobachtern zufolge vor allem den rechten Parteien und Strömungen als Kritik an der linken Politik von Francois Hollande dient, vermehren sich die Angriffe auf homosexuelle Paare, Beleidigungen und Prügel sind keine Einzelfälle mehr. Dagegen verlief die Demonstration in Paris friedlich, die Stimmung jedoch bleibt aggressiv und geradezu militant – dem Vorsitzenden der Nationalversammlung wurde ein Drohbrief mit Schießpulver zugestellt.

Nationalversammlung stimmt über gleichgeschlechtliche Ehe ab

Der gesellschaftliche Spalt ist auch an den Ergebnissen von Umfragen zur Homo-Ehe zu sehen: 58 Prozent stehen ihr positiv gegenüber, während 53 Prozent allerdings die Adoptionsrechte nicht befürworten, die mit dem Gesetz „Mariage pour tous“ (Heirat/Ehe für alle) einhergingen – Rechte, die übrigens für Alleinstehende bereits gelten. Präsident Hollande, dessen Umfragewerte auf eine 74-prozentige Ablehnung stiegen, hatte die gleichgeschlechtliche Ehe bereits in seinem Wahlprogramm an Punkt 31 ausführlich angekündigt. Nachdem der Senat dem Gesetzesentwurf zustimmte, wird nun am Dienstag, den 23. April 2013 über die Legalisierung der Homo-Ehe in Frankreich abstimmen.

Bild:Homo-Ehe von Elendol, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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