Insolvenz: Nachrichtenagentur dapd stellt Betrieb ein

12. April 2013 - 10:16 - keine Kommentare

Die Krise in der Medienbranche setzt sich fort. Die insolvente Nachrichtenagentur dapd stellt den Betrieb ein. Gespräche mit möglichen Investoren blieben trotz mehrerer Verhandlungsrunden erfolglos. Insgesamt 175 feste Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz.

Am Donnerstag um 17 Uhr wurde die Belieferung der Kunden eingestellt. Dies teilte Insolvenzverwalterin Petra Hilgers mit. Zwar hatte es zuvor zahlreiche Gespräche mit potentiellen Investoren gegeben, doch die Verhandlungen blieben erfolglos. Die 175 festen Mitarbeiter, die bei der dapd angestellt sind, erhalten lediglich für den April noch Insolvenzgeld. Der Deutsche-Journalisten-Verband (DJV) äußerte sein Mitgefühl für die Redakteure und freien Journalisten der Nachrichtenagentur. Gleichzeitig kritisierte der DJV die früheren Eigentümer der dapd, die mit ihrem Kurs die negative Entwicklung des Unternehmens mit Sitz in Berlin erst eingeleitet hatten.

Ein Funken Hoffnung bleibt bestehen

Bereits in den letzten Wochen waren mehrere Verhandlungspartner abgesprungen. Die letzte Hoffnung aus Sicht der dapd stellte eine staatliche russische Nachrichtenagentur dar. Doch von Seiten der Gesellschafter von RIA Novosti gab es bisher keine Zustimmung für eine Beteilung an der Sanierung. Somit wurden die Gespräche mit dem letzten aussichtsreichen Investor vorerst abgebrochen. Zwar bleibt der dapd ein Funken Resthoffnung, denn RIA Novosti könnte weiterhin eine positive Entscheidung fällen. Doch die Verhandlungen könnten noch Monate andauern und die Wahrscheinlichkeit auf eine zusagende Entscheidung sei eher gering. Im Falle einer positiven Entwicklung würde die Insolvenzverwalterin die Chance zur Sanierung jedoch noch nutzen wollen. Allerdings kommt das Problem hinzu, dass kein Wagniskapital vorliegt, um die auflaufenden Verluste der dapd vorerst auszugleichen.

Michael Konken, der Vorsitzende des Deutschen-Journalisten-Verbandes, teilte mit, dass die Entscheidung der Insolvenzverwalterin besonders aus Sicht der festangestellten Redakteure und der freien Mitarbeiter der dapd eine Katastrophe sei. Gleichzeitig kritisierte der DJV Peter Löw und Martin Vorderwülbecke, die vorherigen Eigentümer der Nachrichtenagentur. Ihr ”Kamikaze-Kurs” habe letztendlich den bitteren Weg eingeleitet, an deren Ende die Einstellung des Betriebes der dapd steht. Michael Konken sprach deshalb auch von einem ”Schaden für die Medienvielfalt in unserem Land”.

Bereits im Oktober Insolvenz angemeldet

Bereits am 2. Oktober des vergangenen Jahres musste die Nachrichtenagentur erstmals Insolvenz anmelden. Am 1. Februar 2013 übernahm Ulrich Ende, der ehemalige Geschäftsführer des Nachrichtensenders N24, die dapd mit weiteren Investoren. Doch bereits einen Monat nach diesem Schritt musste die Agentur erneut Insolvenz anmelden. Der Grund dafür lag laut Ulrich Ende darin, dass Geldgeber trotz vertraglicher Verpflichtung nicht in das Unternehmen einbezahlt hätten. Der deutsche Markt der Nachrichtenagenturen, in dem unter anderem die Deutsche-Presse-Agentur (dpa), die französische Agence France-Presse (AFP) sowie der Konzern Thomson Reuters ein Vollprogramm bieten, ist auch auf globaler Ebene wegen seiner Vielfalt hoch angesehen.

Bild: Nachrichtenagentur dapd von NS Newsflash, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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