Fachkräftemangel: Anerkennungsgesetz wird verhalten angenommen

2. April 2013 - 13:23 - keine Kommentare

Der Fachkräftemangel in Deutschland könnte sich in absehbarer Zeit zu einem ernstzunehmenden Personalproblem ausweiten: Mit dem Anerkennungsgesetz sollen international gesammelte Qualifikationen hierzulande besser zum Tragen kommen, Fachkräfte leichter und schneller gefunden werden. Im Gesundheitswesen zumindest scheint es zu funktionieren.

Seit letztem Jahr werden in Deutschland die im Ausland erstandenen Titel, absolvierten Ausbildungen und andere Belege, durch die die Qualifikation nachgewiesen werden, einfacher anerkannt: Das entsprechend lautende Gesetz soll den deutschen Arbeitsmarkt für Fachkräfte interessanter machen und die Entscheidung, die Heimat für eine Karriere hier zu verlassen, vereinfachen. Doch bis auf Ärzte und Krankenpfleger konnte sich bislang noch kein Bereich durch besonders großen Zulauf hervortun.

Anerkennungsgesetz: Ärzte und Krankenpfleger stellen größte Gruppe

Mit etwas über 8.600 anerkannten Ärzten aus dem Ausland stellt diese Gruppe den größten Teil der nach dem Anerkennungsgesetz ins Land geholten Fachkräfte und die PflegerInnen folgen als Einzelgruppe mit über 3.100 Kräften dahinter. Etwa 3.900 Personen mit im Ausland erworbenen Qualifikationen kommen aus unterschiedlichen Berufsgruppen, wobei die kaufmännischen Berufe mit 34 Prozent überwiegen. Gerade im Pflegebereich ist hierbei jedoch noch Luft nach oben, denn mit der zu erwartenden Zunahme von pflegebedürftigen Patienten in der Zukunft sind besonders hierbei personelle Missstände absehbar.

Die Hintergründe des Anerkennungsgesetzes sind dabei vielfältig: Zum einen kann branchenübergreifend ein massiver Fachkräftemangel beobachtet werden, zum anderen haben die Bemühungen um hochqualifizierte Mitarbeiter bereits globale Ausmaße erreicht. Für den deutschen Arbeitsmarkt kann neben dem Versuch, die eigene Wirtschaftskraft durch ausländische Fachkräfte aufzuwerten, auch gesehen werden, dass bei zunehmender Lebenserwartung auch das Verhältnis von Beitragszahlern zur Rentenversicherung und den Beitragsempfängern durch die Zuwanderungspolitik wieder in ein Gleichgewicht gebracht werden soll. Gleichzeitig sollen die hohen Ansprüche an internationale Fachkräfte sich auch auf die qualitativ hochwertigen Ausbildungen in Deutschland auswirken.

Vereinfachung der Qualifikationsanerkennung soll Personalengpässen entgegen wirken

35,5 Prozent der anerkannten Fachkräfte stammt aus Europa, 26,3 Prozent aus den GUS-Staaten, 11,6 Prozent aus Asien. Dennoch bleibt die reine Anzahl der eingewanderten Topleute noch überschaubar, ungelernte Einwanderer überwiegen nach wie vor. Die Zahlen aus dem Anerkennungsgesetz zeigen daher auch, dass die Annahme des Angebots durch die Hochqualifizierten noch nicht den Erwartungen und den Bedürfnissen des deutschen Arbeitsmarktes entsprechen. Die Vereinfachung der Anerkennung scheint ein guter Schritt zu sein, doch mögen die hiesigen Anreize für das Spitzenpersonal noch nicht ausreichen.

Bild: Arzt von tuev_sued, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
VN:F [1.9.18_1163]
0.0 / 5.0 - 0 Bewertungen
 
 

Hinterlasse eine Meinung zu: Fachkräftemangel: Anerkennungsgesetz wird verhalten angenommen

* Pflichtfeld - E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!