AOK-Studie: Privatleistungen der Ärzte verdreifachen sich

20. März 2013 - 10:19 - keine Kommentare

Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) hat sich in einer Studie mit den sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) der Ärzte beschäftigt. Dabei sind nicht nur Mängel in der Information zu den Privatleistungen, sondern auch 1,3 Milliarden von Ärzten erwirtschaftete Euro festgestellt worden.

Das WIdO befragt seit vielen Jahren die gesetzlich Krankenversicherten nach den Zusatzleistungen, die ihnen von ihren Ärzten im Zuge der Behandlung angeboten wurden. Während im Jahr 2001 noch 2.848 Personen befragt wurden, die zu 8,9 Prozent ihre Zustimmung zu individuellen Gesundheitsleistungen angaben, waren es 2012 nur noch 2.003 GK-Versicherte – dafür konnten bei ihnen jedoch 29,9 Prozent IGeL-Patienten ermittelt werden, was mehr als dreimal so viele angebotene Privatleistungen der Ärzte darstellt in einem Zeitraum von elf Jahren. Die Tageszeitung „Die Welt“ hat die Zahlen in Bezug auf die Studienergebnisse des WIdO veröffentlicht.

WIdO Studie: ärztliche Zusatzleistungen berechnen sich auf 1,3 Milliarden Euro

53,9 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Patienten gab an, eine ausführliche und nachvollziehbare Erklärung für die Zusatzleistungen erhalten zu haben, 65,9 Prozent sprachen sogar davon, keine schriftliche Zustimmung vor der Aufnahme der IGel Behandlung durch die Ärzte gegeben zu haben. Etwa ein Fünftel der Befragten bekam keine Rechnung für die privat gezahlten Leistungen. Es wird von einer durchschnittlichen Höhe von 70 Euro für die Behandlungen ausgegangen, wodurch sich ein Gesamtbetrag von 1,3 Milliarden Euro für die Privatleistungen errechnet.

Doch nicht nur die Beratungsqualität und die finanziellen Modalitäten bei der Verrechnung der IGeL werden bemängelt, auch der Sinn und die Notwendigkeit einiger Behandlungen wird angezweifelt, sowie manche Entscheidungen von Ärzten, welchen Patienten sie angeboten werden. So stellt die „Welt“ fest, dass manche Untersuchungen und Schutzimpfungen durchaus ihre Berechtigung haben, andere hingegen nicht zwingend nötig wären und teilweise besonders jenen Patienten offeriert würden, bei denen ein höheres Einkommen vermutet werden könnte, mutmaßt die Tageszeitung.

AOK bemängelt finanzielle, beratende und medizinische Qualität der IGeL

Klaus Zok, Autor der Studie des WIdO, spricht in diesem Zusammenhang von Wirtschaftsinteressen, die über den medizinischen stünden – eine Meinung, die vom geschäftsführenden AOK-Bundesverbandsvorstand Uwe Dreh geteilt wird, der von einer finanziellen Beurteilung der Patienten und von einem „Geschäft mit der Angst“ spricht, wie er in der Zeitung zitiert wird. Zok hingegen weist sowohl auf die Pflicht des Arztes zur Aufklärung des Patienten über die Behandlungsmaßnahmen hin als auch auf die eigene Verantwortung der Krankenversicherten, sich zu informieren und sich dabei auch die benötigte Zeit zu lassen.

Bild: Arzt von tuev_sued, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
VN:F [1.9.18_1163]
0.0 / 5.0 - 0 Bewertungen
 
 

Hinterlasse eine Meinung zu: AOK-Studie: Privatleistungen der Ärzte verdreifachen sich

* Pflichtfeld - E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!