Schulnoten: Debatte um Leistungsbewertungen in Niedersachsen

22. Februar 2013 - 07:11 - keine Kommentare

Zeugnis

Im Zuge der Debatte von Bildungsforschern über Sinn und Unsinn des Sitzenbleibens wird auch über den Zweck und die Notwendigkeit von Schulnoten nachgedacht. In Niedersachsen wird über Leistungsbewertungen anstelle der Benotung debattiert, wodurch in traditionalistischen Kreisen Widerstand hervorgerufen wird.

Während in einigen Bundesländern die Benotung in der Grundschule so weit wie möglich nach hinten geschoben wird, haben manche Schulen ganz aufgehört, Zahlen von 1 bis 6 für die schulische Leistung zu vergeben. Unterstützung bekommen sie nicht nur aus der Politik und von Wissenschaftlern, sondern auch teilweise aus der Wirtschaft – während einige Unternehmen sich jedoch mit eigenständigen Beurteilungen schwer tun.

Leistungsbewertungen anstelle von Schulnoten

Schulnoten sind ein traditioneller und integraler Bestandteil der Bewertung der Leistungen von Schülerinnen und Schülern – so klassisch, dass sie oftmals auf einer sinnvollen Ebene nicht in Frage gestellt werden. Befürworter sprechen sich neben dem Aspekt, dass es sie seit jeher gibt, vor allem dafür aus, da sie darin eine Möglichkeit sehen, eine objektive Einschätzung des Wissensstandes der Schüler zu erhalten. Kritiker hingegen sehen genau darin das Problem: Für sie findet die Einschätzung nicht in Bezug auf das Wissen und den Lernstoff, sondern zu den Klassenkameraden statt, wodurch ein tatsächlicher Vergleich nicht getroffen werden könnte.

Weitere Kritikpunkte finden sich in der Annahme von fehlgeleitetem Lernen – nicht für die Inhalte, sondern für eine gute Note – und in Vergleichsdruck zu Mitschülern. Auch hier ist man sich uneins, denn die Befürworter schätzen den Vergleich, der auch im späteren Arbeitsleben sinnvoll sei, und führen an, dass manche Schüler durch diesen Druck motiviert würden.

Auf der Seite der Wirtschaft stellt man zunehmend fest, dass das Interesse an einer schulischen Benotung schwindet: Wichtiger sind Einsatz, beobachtete Leistung und klare Motivationen – zumal angeführt wird, dass die als zu gut wahrgenommenen Noten besonders bei den Bachelor- und Masterstudiengängen aussagelos blieben. Traditionell eingestellte Unternehmen können jedoch häufig nichts mit alternativen Bewertungen anfangen, wie sie etwa in den Hamburger Stadteilschulen mit ihren Einschätzungen nach einem erweiterten Niveau und einem Grundniveau getroffen werden.

Klassische Benotung auf dem Prüfstand

Derzeit wird die Notendebatte lediglich auf der Ebene der Grundschulen geführt, jedoch wird beispielsweise in Niedersachsen daran gearbeitet, Leistungsberichte anstelle der klassischen Schulnoten zu setzen, wie es auch im Koalitionsvertrag der dortigen Regierungsparteien SPD und Grüne festgeschrieben ist. Ausschlaggebend sind auch die Überlegungen dazu, das Sitzenbleiben in der Schule abzuschaffen, da es für einen tatsächlichen Erfolg der Maßnahmen kaum Belegungen gibt.

Prinzipiell treffen bei der Bildungs-Debatte zwei sich grundlegend gegenüberstehende Gedankenmodelle aufeinander: Das klassische, bei dem eine klare Einordnung vermutet, jedoch nie bewiesen werden kann, und eine, in der auf der Ebene des persönlichen Lernerfolges argumentiert wird. In ersterer wird vermutet, dass Schüler ohne Noten sich später auch klassischen Prüfungen stellen müssen, auf die sie nicht vorbereitet wären, zweitere geht davon aus, dass sich die Leistungsbewertungen auch im späteren Leben nicht an einer solchen Benotung messen lassen werden.

Bild:Zeugnis von thomasklaiber, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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