Doktortitel von Annette Schavan: Entzug und Rücktritt?

6. Februar 2013 - 14:40 - keine Kommentare

Die Universität Düsseldorf hat gegen Bildungsministerin Annette Schavan entschieden: Der Rat der Philosophischen Fakultät hat die Plagiatsvorwürfe an Schavans Dissertation bestätigt und ihr den Doktorgrad entzogen. Während der Vorgang noch nicht rechtskräftig ist, wird über einen Rücktritt der Ministerin spekuliert.

12 von 15 Mitgliedern des Gremiums stimmten gegen Annette Schavans Doktorarbeit: Im Rat der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf galt die Frage nach Plagiaten in der Dissertation der Bundesbildungsministerin als geklärt. Demnach habe sie „systematisch und vorsätzlich“ im Zuge der gesamten Arbeit getäuscht und die Leistungen anderer, ihr vorangegangener Wissenschaftler so erscheinen lassen, als seien sie von der Doktorandin selbst erbracht worden. Als Reaktion auf die für die Universität erwiesenen Plagiatsvorwürfe wurde der Ministerin ihr Doktorgrad aberkannt.

Annette Schavan: Doktortitel aberkannt

Annette Schavan ist nun nicht mehr Dr. phil. und hält auch keinen weiteren akademischen Grad, denn sie beendete 1980 ihr Studium mit einer sogenannten und mittlerweile nicht mehr üblichen grundständigen Promotion. Der Titel ihrer Doktorarbeit, „Person und Gewissen – Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung“, bekommt nun, 33 Jahre später und nach der Aberkennung, geradezu Treppenwitz-Charakter: An vielen Stellen hat sie nicht nur falsch zitiert, sondern ganze Passagen nur notdürftig aus Büchern abgeschrieben, die sie zu keinem Zeitpunkt als Quelle nennt.

Wie bereits bei ihren der Plagiasierung überführten Kollegen, von Karl-Theoder zu Guttenberg und Chatzimarkakis über Mathiopoulos bis zu Althusmann, werden auch im Fall der Bildungsministerin nun die Rufe nach einem Rücktritt laut: Ein Regierungsmitglied, das für die Bildung und somit auch für universitäre Standards zuständig ist und diese selbst nicht einhält, sei untragbar, heißt es von Kritikern.

Plagiatsvorwürfe gegen Bildungsministerin bestätigt

Andere Stimmen verweisen auf die lange Zeit, die seit der Dissertation vergangen sei, auf die sich ändernden Arbeitsmethoden und Regeln. Annette Schavan selbst will hingegen die Entscheidung anfechten, auf der Webseite des Bundesbildungsministeriums ist der Namenszusatz noch sichtbar, auf die Aberkennung des Doktortitels durch den Rat der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf wird nicht eingegangen, jedoch ist das Urteil des Gremiums auch noch nicht rechtskräftig geworden – mit einem Rücktritt Schavans kann erst gerechnet werden, wenn der Vorgang seinen vollständigen Abschluss gefunden hat.

Bild: Annette Schavan von AndreasSchepers, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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