Unisex-Tarife: Frauen als Verlierer der gleichgestellten Versicherungen

10. Januar 2013 - 11:19 - keine Kommentare

Die Unisex-Tarife, die basierend auf einem Gerichtsurteil aus Brüssel für Gleichstellung in der Berechnung von Versicherungspolicen sorgen sollen, haben sich schon kurz nach ihrer Einführung als kostenintensive Umstellung erwiesen. Besonders Frauen zahlen nun in vielen Tarifen mehr als vorher.

Mit den Unisex-Tarifen sollte einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes in Brüssel zufolge eine prinzipielle Ungerechtigkeit bei den Beiträgen zu verschiedenen Versicherungen abgeschafft werden: Männer und Frauen sollten demnach nicht mehr unterschiedlich in ihren Krankenkassenbeiträgen, den Kfz-Versicherungen und in anderen Bereichen bewertet werde. Durch die gleichmäßige Umverteilung der Risikolasten auf beide Geschlechter sollten auch die Zahlungen an die Versicherungen sinken – jedoch hat sich nun herausgestellt, dass Frauen in erster Linie deutlich mehr zahlen als zuvor.

Unisex-Tarife: Höhere Versicherungspolicen für Frauen

Zwar wurde bei der Umstellung auf Unisex-Tarife nicht einfach nur die Zahlungshöhe der weiblichen Versicherungsnehmer angehoben, um auf das männliche Beitragsniveau zu kommen, doch in der Tat zeigt sich, dass die Befürchtung von Verbraucherschützern nicht unbegründet war. Sie hatten schon weit im Vorfeld der Tarifumstellungen auf die preislichen Erhöhungen hingewiesen und nun bestätigen sie sich in einigen Fällen: In der privaten Krankenzusatzversicherung etwa steigen die Beiträge für Frauen durchschnittlich um 10 Prozent, bei der Risikolebensversicherung (am Beispiel einer Bürokauffrau) werden sogar 20 Prozent fällig.

Derweil profitieren Männer aber nicht durchgängig von den Unisex-Tarifen: In der Krankenvollversicherung für 40-jährige müssen männliche Versicherungsnehmer 16 Prozent Mehrkosten in Kauf nehmen, 30-jährige sogar 21 Prozent. Auch bei der Rentenversicherung sind Frauen Männern um einige Prozent voraus, wenn sie 2 Prozent plus machen, während Männer mit 6 Prozent minus in die zu erwartenden Leistung der Rente gehen.

EU Kommission will Entwicklung überwachen

Nicht nur der Verbraucherschutz, auch eine EU Kommission hat vor steigenden Preisen durch die Umstellung auf Unisex-Tarifen gewarnt, die Justizkommissarin Viviane Reding hat angekündigt, die Entwicklungen scharf überwachen zu wollen. Derweil wurde die gesetzliche Grundlage für die Unisex-Tarife nicht im Bundesrat entschieden: Bei einer Abstimmung im Dezember konnte keine Einheit gefunden werden und dennoch haben sich viele Versicherer dazu entschieden, am 21. Dezember 2012 wie geplant ihre Unisex-Umstellung durchzuführen, während die alten Tarife noch weiterlaufen. Grund für die Entscheidung ist die Vorgabe, dass EU-Recht vor nationalem Recht gelte und sich die Versicherungsunternehmen entsprechend an das Gerichtsurteil aus Brüssel halten.

Bild: Versicherung von Fortune Live Media, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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