Eurokrise: IWF schlägt Schuldenschnitt für Zypern vor

20. Dezember 2012 - 10:49 - keine Kommentare

Zypern hat Reformen als Bedingung für eine finanzielle Hilfe aus dem ESM-Rettungsschirm zugestimmt, doch der Internationale Währungsfonds will das über 17 Milliarden Euro hohe Hilfspaket nicht tragen und schlägt stattdessen einen Schuldenschnitt privater Gläubiger wie in Griechenland auch für Zypern vor.

Die Finanzkrise der angeschlagenen Euro-Staaten bewegt sich mit einem Antrag Zyperns über 17,5 Milliarden Euro als Notkredit auf einen neuen Höhepunkt zu: Die eng mit Griechenland verbundenen Wirtschafts- und Bankenbereiche des Inselstaates sollen den Großteil dieser Summe bekommen, allein für die Rettung der Banken seien 10 Milliarden eingeplant. Doch der Internationale Währungsfonds (IWF) hat eine Beteiligung an einem Hilfspaket dieser Art abgelehnt und bevorzugt stattdessen einen Schuldenschnitt für Zypern – etliche Euroländer stellen sich gegen diesen Vorschlag und befürchten eine weitere Verschlechterung der Eurokrise, sollte er umgesetzt werden.

Schuldenschnitt für Zypern: IWF streitet mit Euro-Staaten

Als schwerwiegendes Argument der Schuldenschnittgegner in der Euro-Zone wird die Einmaligkeit des Schrittes im Falle Griechenlands angeführt: Sollte die nur unter exklusiven Umständen gefällte Entscheidung für den südeuropäischen Staat noch einmal für Zypern wiederholt werden, fürchten sie, der Euro würde geschwächt und als Währung unglaubwürdig werden – eine Gefahr die sich auch auf die Wirtschaft der einzelnen Euro-Länder und die gesamte EU auswirken könnte.

Dem IWF zufolge sei ein Schuldenschnitt jedoch im Falle Zyperns unerlässlich, da es dem Euro-Land andernfalls nicht möglich sei, die Zinsen für die Schulden zu tragen, selbst wenn die beschlossenen Reformen umgesetzt würden.

Eurokrise in Zypern: Hilfsforderung in Höhe des Bruttoinlandsprodukts

Die zyprischen Banken stellen einen der größten Wirtschaftsfaktoren des kleinsten Euro-Landes dar und sind nicht unumstritten: Es heißt, dass dort Geld aus Russland nicht nur kostengünstig gelagert, sondern regelrecht gewaschen würde. Auch diese Vermutung scheint gegen sowohl ein vom IWF getragenes Hilfspaket zu sprechen und einen Schuldenschnitt zumindest plausibler erscheinen zu lassen. Eine weitere diskutierte Variante zur Rettung Zyperns besteht auch in fünf Milliarden Euro, die von Russland an den IWF und von dort an den geteilten Inselstaat weitergegeben werden könnten.

Die von Zypern gewünschte Summe von 17,5 Milliarden Euro ist fast so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt, von dem erwartet wird, demnächst um weitere 3,5 Prozent zu sinken, bei einer steigenden Arbeitslosigkeit auf 13,7 Prozent. Daher wird die Situation in Zypern von Experten als deutlich schwerwiegender als in Griechenland eingeschätzt.

Bild: Europäische Union von dimnikolov, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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