Weltuntergang am 21.12.2012: Apokalypse abgesagt

19. Dezember 2012 - 10:49 - keine Kommentare

Glaubt man dem Internet, so steht der Weltuntergang am 21. Dezember 2012 bevor. Angeblich würde ein Kalender der Maya diesen Termin unmissverständlich angeben, da er zu diesem Zeitpunkt endet. Doch dieser Annahme liegen mehr Fehlinterpretationen zugrunde, als man zählen mag.

Der Weltuntergang wurde im Laufe der Jahrhunderte von vielen unterschiedlichen Personen aus vielen unterschiedlichen Überzeugungen und zu wirklich vielen unterschiedlichen Zeiten immer wieder vorhergesagt: Manchmal basierend auf Religionen, manchmal auf obskuren Berechnungen oder astronomischen Beobachtungen, manchmal sollen Krankheiten oder Kriege und ab und an auch technische Probleme – man erinnere sich an die Y2K Panik im Jahr 1999 – Schuld an der Apokalypse sein. Nun ist die Wahl auf die Maya gefallen, eine längst verschwundene Kultur, die angeblich als Tag des Jüngsten Gerichts den 21. Dezember 2012 mit absoluter Präzision auserkoren hätten.

Maya-Kalender sagt nicht das Ende der Welt voraus

An dieser Idee ist eine ganze Menge falsch und dies beginnt bereits bei den westlich-christlich geprägten Vorstellungen über ein Ende der Welt, die die Maya nicht teilten. Doch soviel steht in der Tat fest: Der Maya-Kalender endet am 21. Dezember 2012 nach dem 13ten Baktun, einem wiederkehrenden Zyklus von 394 Jahren. Doch wie es Kalender so an sich haben (und wie das Wort „wiederkehrend“ andeutet) beginnt er am nächsten Tag wieder von vorn. Zudem war der Termin für die Religion der Maya von gewisser Wichtigkeit: Die Berechnung kosmischer Ereignisse wurde zu rituellen Zwecken angewandt und dabei lagen sie erstaunlich richtig. Von einem Weltuntergang allerdings findet sich rein gar nichts in dem Kalender, auch nicht von einer Prophezeiung oder sonstigem Schreckensmeldungen.

Durch das Internet spuken derweil zwei Zahlen – der 21. und der 22. Dezember 2012 – und scheinbar hat die Vielzahl der Weltuntergangsstimmungsmacher sich auf den ersten der beiden Termine ohne nähere Grundlage geeinigt, außer dass die Zahlenabfolge verlockend erscheint – noch verlockender wäre nur noch der 21.12.2112 oder Variationen davon. Auch Alt-Mystiker und Ufologe Erich von Däniken ist mit dem Datum nicht ganz zufrieden und räumt dem von den Maya angeblich prophezeiten Ereignis in einem „Focus“-Interview dem Kalendarium eine Lücke von 20 Jahren ein – zumal unsere eigene Auffassung von Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten nicht wirklich klar ist.

Apokalypse abgesagt: Probleme mit der Zeitrechnung

Abgesehen von den Unterschieden zwischen dem Gregorianischen und dem Julianischen Kalender, den unterschiedlichen Zeitrechnungen in verschiedenen Regionen und Kulturen und der Schwierigkeit, überhaupt zu wissen, wann das Jahr 0 tatsächlich war (nachdem es eher aufs Geratewohl festgelegt wurde), wurden durch Schaltjahre, kirchliche Bestimmungen, von Königen und Kaisern gefälschte Urkunden und einer Vielzahl weiterer Faktoren und Umstände die Jahreszahlen im Laufe der Jahrhunderte mehr als eine Art allgemeiner Einigung, als eine feststehende Größe festgelegt.

Die Maya waren allerdings sehr bewandert in der Deutung der Sterne, in Astronomie und Astrologie, die hohen Stellenwert in ihrer Kultur einnahmen, und sie beobachteten Phänomene und berechneten Veränderungen ziemlich genau, so dass es durchaus möglich ist, die beiden Zeitauffassungen zu synchronisieren.

Vladimir Böhm, Leiter des Maya-Forschungszentrum in Kolin, Böhmen, hat gemeinsam mit seinem Bruder genau dies mit den Handschriften des Maya-Kalenders getan und ihn neu errechnet und so kommen die beiden Mathematiker auf einen herben Rechenfehler ihrer Kollegen: Unsere Zeitrechnung und die der untergegangenen Maya-Kultur unterscheidet sich um 104 Jahre, so dass das Ende des Kalenders erst 2116 erwartet werden kann.

Bild:Maya von Bernt Rostad, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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